Über Macken und Karma

Die Chefin sagt immer, ich wäre ein Klischee-Hund, was meine Macken betrifft. Weil ich die Postleute angeblich nicht leiden kann. Weil ich laut belle, wenn ich schon von weitem die gelbe Kleidung sehe, oder die blaue von den anderen Briefzustellern. Dabei habe ich gar nichts gegen die Menschen – im Gegenteil. Viele von denen versuchen mich auf ihre Seite zu ziehen, zeigen mir, dass sie mich und im allgemeinen Hunde mögen. In ihren Taschen finden sich Leckerlis und ihre Hände kraulen mein Fell. Das ist doch prima! Manchmal belle ich schon deswegen, damit sie wieder versuchen mich zu besänftigen und damit sie ein Erfolgserlebnis haben, wenn ich dann lieb vor ihnen sitze und mich verwöhnen lasse. Aber eigentlich geht es mir um diese Gefährte, auf denen sie sitzen und von Tür zu Tür rollen. Die großen Taschen, in denen man junge Hunde anstelle der Post verstecken kann und die klappernden Geräusche, wenn sich diese Monster bewegen. Deshalb belle ich. Um sie zu verjagen. Damit sie mich nicht packen und fortschleppen. Nenne es Macke, ich sage, es ist Vorsicht.


Und ich gehe nicht unter einer Leiter hindurch – oder in unserem Fall unter einem Babyhochstuhl. Die Chefin hat dann mal geguckt, was Google zu diesem Aberglauben sagt und meinte, ich hätte wohl Loslass-Ängste. Aha! Schon mal drüber nachgedacht, dass das Gewicht der Mini-Chefin eventuell nicht Normgerecht ist und dass das Plastikstühlchen irgendwann nachgeben könnte? Was, wenn ich mich dann gerade darunter befinde? Außerdem ist es nicht gut fürs Karma, unter ungleichschenklichen Dreiecken hindurch zu gehen.

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