Scream on Halloween.

Vor mir erstreckt sich ein stiller Bergsee, der in der Dämmerung violett schimmert. Die Luft ist klar und frisch. Berge umsäumen das Wasser wie stille Schattenriesen und der Mond hängt wie eine silbrige Scheibe am sich verdunkelnden Himmel. Während meine Menschen in der hell erleuchteten Blockhütte werkeln und würzige Düfte durch die geöffnete Tür wabern, habe ich mich rausgeschlichen um noch ein wenig von unserem Urlaubsort zu erkunden. Keine Menschenseele weit und breit. Stille.

Ich umlaufe das Grundstück und erschnüffele die wenige Nachrichten anderer Tiere, als ich rechts von mir ein Rascheln vernehme. Ich halte inne und meine Nasenspitze zittert in der kühlen Abendluft. Da, es raschelt wieder. Eine Pfote vor die andere setzend, gehe ich dem Geräusch nach. Ein feiner Duft streift mein empfindliches Geruchsorgan und ich folge ihm. Meine Augen haben sich etwas an das Dämmerlicht gewöhnt und so kann ich einen Schatten wahrnehmen, der seltsam unbeholfen, aber flink über den Boden huscht. Ich nähere mich leise. Der Schatten bleibt stehen. Ich auch. Eine kleine Weile vergeht, dann bewegt sich das seltsame Geschöpf weiter. Ich ebenfalls. Es bleibt erneut stehen, uns trennt kein Meter. Dann verformt sich die Gestalt und kugelt sich ein. Es reicht. Ich platze fast vor Neugier und tapse die letzten Zentimeter auf das Ziel zu. Es riecht etwas faulig. Mit meiner Schnauze stupse ich die Kugel an und fahre im selben Moment erschrocken zurück. Ein kurzes Aufjaulen unterstreicht den piekenden Schmerz meiner Nase. Ein Igel. Ich bin einem Igel auferlegen. Fast schon beleidigt belle ich ihn kurz an und trolle mich abschließend in die andere Richtung.

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Shades Of Grey -das Leben ist bunt.

„Die kommt aus Ungarn.“

„Hm, ich weiß.“

„Als ob wir hier nicht genug Hunde in den Tierheimen hätten.“

„Oh, mir war gar nicht bewusst, dass sich Tierschutz allein auf Deutschland begrenzt.“

„Wie meinen Sie das?“

„So wie ich es sage. Der Hund im ansässigen Tierheim hat genauso eine Chance auf ein gutes Zuhause, wie der Hund aus Ungarn, Polen, Tschechien oder irgendwoher. Zumal unsere Heime den Tieren ein Dach über dem Kopf und regelmäßiges Futter bieten. Das ist in anderen Ländern nicht immer bedingbar.“

Eine kurze Pause entsteht und ich schaue aufmerksam von meiner Chefin zu der anderen Frau, deren Mops mir gerade wiederholt am Hintern schnüffelt.

Manchmal denke ich, dass diese Art der Sympathiebekundung es auch Menschen einfacher machen würde, miteinander umzugehen. Eine kurze, aber intensive Geruchsprobe und schon klärt sich die Frage der Anziehung. Während ich meinen Gedanken nach- und den Mops versuche abzuhängen, wird das Gespräch und die Luft obenrum dünner.

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Salut! aus der Normandie

Ich grüße euch vom Nordatlantik, aus der Normandie. Wir machen Urlaub, der Chef, die Chefin und ich. Seit ein paar Tagen sprechen die beiden ganz merkwürdig, das heißt, die eine versucht es, der andere kann es. Sie nennen es französisch und ich finde, nach einer Weile hört es sich sehr nett an. Ich heiße jetzt nicht mehr Lenny, sondern Lénniiii. Wir haben einen Teil der Wohnung mitgenommen und diese auf vier Räder gepackt. Der Chef hat alles begutachtet und mir mit wichtiger Mine erklärt, dass im Camper nicht rumgesaut wird. Hm. Camper. Rumsauen? Ich weiß gar nicht, was er meint. Doch ich möchte euch nicht mit Nichtigkeiten langweilen, sondern von meinen Erlebnissen berichten.

Habt ihr schon einmal am Hintern einer Französin geschnüffelt? Ich kann euch sagen: Oh lala! Das Popöchen schwingt nicht nur reizend hin- und her, nein es sieht auch verdammt gut aus und duftet nach… „Salut! aus der Normandie“ weiterlesen

Ein PoKö-Labbistafviz. Zum Tag des Mischlinghundes.

„Wer bist du denn?“, fragt mich der Typ, dessen Fell allein um die Schnauze wächst. Bunt ist er. Auf seiner Haut tummeln sich unzählige Bilder. Bestimmt fehlt ihm deshalb die Behaarung. Er steht über mir, die Hände in die Seiten gestemmt und blickt mich fragend an. Ich schaue zurück und belle ein bisschen.

„Lenny, Rockstar-Hund und der beste Freund von Pippa.“

Er versteht mich nicht, die Chefin schon und übersetzt meine Antwort in ein für ihn verständliches Deutsch.

„Ahhh!“, tonalt nun der Bärtige. „Und WAS bist du?“, fragt er wieder an mich gewandt.

„Ein Hund!“, belle ich ihm entgegen. „Alter, was sonst. Vier Beine auf einem geschmeidigen Körper, eine Rute, ein Kopf und zwei Ohren. Eine Schnauze, die dich gerade anbellt, was beweist: Ich bin ein Köter.“

Wieder schaut er die Chefin an, die nun wissend in sich hinein schmunzelt.

„Ist wahrscheinlich ein Pokö.“, beginnt sie mit ihrer freien Übersetzung. „Mit einem Schuss Labbistafviz.“

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Meine wunderbare Welt.

Freitagabend. Das kleine Wochenende vor dem Großen. Ich freue mich, weil ich Chef und Chefin ganz für mich habe. Mindestens zwei Tage lang. Und es fängt schon gut an. Wir gehen essen. Gleich bei uns um die Ecke ist ein Sportrestaurant mit dem weltbesten Ausblick über Sportplatz, Wiese und Park. Dort, wo wir täglich spazieren gehen und ich meine Kumpels treffe. Vom Biergarten vor der Gaststätte aus, kann ich sie alle beobachten, währenddessen ich unbemerkt verlorengegangene Pommes und Fleischfitzelchen einatme. Die Chefin hat extra meine Lieblingsdecke auf dem Boden ausgebreitet, damit ich es genauso gemütlich habe, wie die beiden auf ihren Klappstühlen mit Sitzpolster. Ein laues Lüftchen weht um meine empfindsame Hundenase und trägt Spuren von Gebratenem aus der Küche mit sich. Auch ein wenig von Goethe, einem hellen Labrador, der hinten auf der Wiese tollt. Er heißt tatsächlich so. Ein leicht unterwürfiger Feingeist. Ihn belle ich gern an die Wand, dann legt er sich hin und zeigt mir seinen Bauch. Somit sind die Fronten geklärt und ich wieder der Boss im Revier.

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What’s Up, Buttercup?

Whats’s up? Es ist Wochenende und die Chefin trägt noch ihr Kissen im Gesicht. Merke: wenn sie wie eine Mischung aus chinesischem Faltenhund und Bull-Terrier aus dem Bett steigt, sei unbedingt freundlich. Besser noch, verhalte dich still und geh auf deinen dir zugewiesenen Platz. In meiner Freude über den beginnenden Samstag habe ich das völlig überblickt und bin ihr direkt mit feuchter Zunge ins Gesicht gesprungen. Ihre Antwort war ein direkter Platzverweis und ein dreimal aufeinanderfolgendes polterndes Niesen. Der Chef schaut misstrauisch auf die zerknautschte Frau, die neben ihm im Bett versucht sämtliche Gebeine auseinanderzuknoten.

„Na, schlecht geschlafen?“

„Hmmm, grmpf, haaaatschhiii!“, antwortet sie ihn übersprudelnd.

Letzteres hatte ich in der vergangenen Nacht des Öfteren vernommen und mich von meiner Schlafgelegenheit am Fußende des Bettes auf mein persönliches Sofa in der Stube verzogen. So ein Hundeschlaf ist sensibel. Und wenn sich zu den Nies- noch Denkattacken gesellen, wird es auch mir zu bunt und ich suche meinen Traumfrieden an stilleren Orten. Den Chef hat das nicht gestört, er hatte in der Zeit Wälder abgeholzt, wie es sich für einen ordentlichen Kerl gehört.

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Meine Ferien in Serie(n). Tag eins.

Wir sind im Urlaub. Meine Menschen und ich. Yeah! Ich weiß es genau, denn vor uns liegt unendliches Wasser, es glitzert und funkelt und die Sonne geht langsam am Horizont unter. Meine Chefin ist ganz entspannt und gräbt ihr nackten Füße in den weichen Sand. Ich tue es ihr gleich und stecke meine Nase gleich mit dazu, was leider zu einem feuchten Niesanfall führt. Kleine Sandbröckchen treffen ihre unbekleideten Waden und sie springt auf und lacht.

„Komm!“, ruft sie und rennt zum Wasser hinunter, in dem mein Chef schon seine müden Füße kühlt. Ich renne hinterher. Autsch! Etwas Scharfes hat sich zwischen meine kleinen Ledersohlen geschoben. Nochmal Autsch! Das Auftreten fällt mir schwer. „Hey, hey, Chefin. Guck doch mal!“, versuche ich sie mit leisem Fiepen aufmerksam zu machen und hinke die letzten Meter.

Noch immer lächelnd, aber mit besorgtem Blick schaut sie sich meine Pfote an. Wir verstehen uns. Manchmal denke ich, dass sie hündisch kann. Sie reibt über die empfindliche Stelle und zieht ein Stückchen von einer Muschel hervor, wie sie an den Chef gewandt feststellt. Dann hält sie mich noch kurz, streichelt mir über den Kopf und platziert ein kleines Küsschen auf meiner Stirn. Ich setze meine Pfote vorsichtig auf, der Sand kitzelt, aber der Schmerz ist fort.

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