Meine wunderbare Welt.

Freitagabend. Das kleine Wochenende vor dem Großen. Ich freue mich, weil ich Chef und Chefin ganz für mich habe. Mindestens zwei Tage lang. Und es fängt schon gut an. Wir gehen essen. Gleich bei uns um die Ecke ist ein Sportrestaurant mit dem weltbesten Ausblick über Sportplatz, Wiese und Park. Dort, wo wir täglich spazieren gehen und ich meine Kumpels treffe. Vom Biergarten vor der Gaststätte aus, kann ich sie alle beobachten, währenddessen ich unbemerkt verlorengegangene Pommes und Fleischfitzelchen einatme. Die Chefin hat extra meine Lieblingsdecke auf dem Boden ausgebreitet, damit ich es genauso gemütlich habe, wie die beiden auf ihren Klappstühlen mit Sitzpolster. Ein laues Lüftchen weht um meine empfindsame Hundenase und trägt Spuren von Gebratenem aus der Küche mit sich. Auch ein wenig von Goethe, einem hellen Labrador, der hinten auf der Wiese tollt. Er heißt tatsächlich so. Ein leicht unterwürfiger Feingeist. Ihn belle ich gern an die Wand, dann legt er sich hin und zeigt mir seinen Bauch. Somit sind die Fronten geklärt und ich wieder der Boss im Revier.

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Und es hat ‚Omm‘ gemacht.

Morgens beobachte ich gern die Chefin, wie sie ihren Ritualen nachgeht. Seit einiger Zeit ist ein neues hinzu gekommen, was zwischen kaltem Wasser im Gesicht und der ersten Tasse Kaffee stattfindet. Dafür steht sie extra eine halbe Stunde früher auf.

„Das, mein lieber Hund, ist Yoga.“ hat sie mir mal mit wichtigtuerischem Blick erzählt.

Ich nenne es lustiges Figurentanzen und habe eine leise Ahnung, dass sie mir einige davon abgeschaut hat. Den Hund zum Beispiel. Die Hinterläufe auf dem Boden ausgestreckt, die Vorderpfoten gerade auf selbigen gestemmt und den Hals ganz weit in die Luft strecken. Dabei den Rumpf nach oben dehnen. Danach imitiert sie direkt die Katze aus Nachbars Garten und stellt sich auf alle vier Beine und drückt den Körper buckelähnlich nach oben, um sich dann langsam in eine gerade Position zurück zu atmen. Sieht komisch aus, ist es anscheinend auch.

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What’s Up, Buttercup?

Whats’s up? Es ist Wochenende und die Chefin trägt noch ihr Kissen im Gesicht. Merke: wenn sie wie eine Mischung aus chinesischem Faltenhund und Bull-Terrier aus dem Bett steigt, sei unbedingt freundlich. Besser noch, verhalte dich still und geh auf deinen dir zugewiesenen Platz. In meiner Freude über den beginnenden Samstag habe ich das völlig überblickt und bin ihr direkt mit feuchter Zunge ins Gesicht gesprungen. Ihre Antwort war ein direkter Platzverweis und ein dreimal aufeinanderfolgendes polterndes Niesen. Der Chef schaut misstrauisch auf die zerknautschte Frau, die neben ihm im Bett versucht sämtliche Gebeine auseinanderzuknoten.

„Na, schlecht geschlafen?“

„Hmmm, grmpf, haaaatschhiii!“, antwortet sie ihn übersprudelnd.

Letzteres hatte ich in der vergangenen Nacht des Öfteren vernommen und mich von meiner Schlafgelegenheit am Fußende des Bettes auf mein persönliches Sofa in der Stube verzogen. So ein Hundeschlaf ist sensibel. Und wenn sich zu den Nies- noch Denkattacken gesellen, wird es auch mir zu bunt und ich suche meinen Traumfrieden an stilleren Orten. Den Chef hat das nicht gestört, er hatte in der Zeit Wälder abgeholzt, wie es sich für einen ordentlichen Kerl gehört.

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Ein Wehklagen im Hundemagen

Leute, ist das heiß! Der Asphalt glüht unter meinen zarten Lederslippern, wobei die gerade aussehen wie Mokassins, da irgendein Idiot die Straße frisch geteert hat, über die meine Chefin und ich in den Park laufen. Gestern noch lag da Rollsplitt, der sich fies zwischen meine kleinen Zehen gekrümelt hat und irgendwann in den frühen Morgenstunden hat jemand versucht, die Steinchen zusammenzukleben. Doof nur, dass wir gerade Hitzerekorde schieben und sich alles schön zu einer klebrigen Masse verflüssigt, die aussieht, als wäre die Straße mit Wasser gesprengt worden. Vom Hausmeister nebenan zum Beispiel. War wohl auch der Gedanke meines Frauchens. Jetzt klebt ihr weißer Flipflop auf der Straße und ich sehe aus wie Pech-Mario (naaaa, Witz verstanden?). Und dabei waren die letzten Tage schon ziemlich beschissen. Im wahrsten Sinn des Wortes. Bitte entschuldigt meine ungehobelte Ausdrucksweise. Aber wenn es im Magen ziept und dann hinten drückt, ist jedes schöne Wort fehl am Platz. Keine Ahnung weshalb meine Verdauung so verrückt gespielt hat. Aber mit dem Problem stehe ich wohl nicht allein da.

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Ferien in Serie(n). Tag zwei.

Meine kleinen Lederslipper glühen. Seit Stunden schon latschen wir die Strandpromenade auf und ab, gehen in irgendwelche Geschäfte, in denen nur Klamotten hängen und ich muss mich in enge Kabinen setzen, während meine Menschen neue Sachen anprobieren. Ich kann mir schöneres vorstellen. Einen Supermarkt zum Beispiel. Da riecht es viel besser. Aber dort darf ich nicht rein. Die wissen schon warum. Meine Zunge ist flinker als meine Chefin gucken kann. Jetzt gucke ich gerade zu, wie sie ein kleines Stück Stoff über ihren Kopf zieht, der nur an Bändern hängt. Ein Bikini, erklärt sie mir und verrenkt sich die Arme quer über den Rücken. In der Nachbarkabine sehe ich zwei nackte Füße. Ich schnüffele. Riecht irgendwie nach altem Käse. So sehen die Zehen auch aus. Ein bisschen schrumpelig und unterhalb der beachtlich langen Krallen wachsen schwarze Haarbüschel aus der Haut. Ob das noch ein Mensch ist?

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Meine Ferien in Serie(n). Tag eins.

Wir sind im Urlaub. Meine Menschen und ich. Yeah! Ich weiß es genau, denn vor uns liegt unendliches Wasser, es glitzert und funkelt und die Sonne geht langsam am Horizont unter. Meine Chefin ist ganz entspannt und gräbt ihr nackten Füße in den weichen Sand. Ich tue es ihr gleich und stecke meine Nase gleich mit dazu, was leider zu einem feuchten Niesanfall führt. Kleine Sandbröckchen treffen ihre unbekleideten Waden und sie springt auf und lacht.

„Komm!“, ruft sie und rennt zum Wasser hinunter, in dem mein Chef schon seine müden Füße kühlt. Ich renne hinterher. Autsch! Etwas Scharfes hat sich zwischen meine kleinen Ledersohlen geschoben. Nochmal Autsch! Das Auftreten fällt mir schwer. „Hey, hey, Chefin. Guck doch mal!“, versuche ich sie mit leisem Fiepen aufmerksam zu machen und hinke die letzten Meter.

Noch immer lächelnd, aber mit besorgtem Blick schaut sie sich meine Pfote an. Wir verstehen uns. Manchmal denke ich, dass sie hündisch kann. Sie reibt über die empfindliche Stelle und zieht ein Stückchen von einer Muschel hervor, wie sie an den Chef gewandt feststellt. Dann hält sie mich noch kurz, streichelt mir über den Kopf und platziert ein kleines Küsschen auf meiner Stirn. Ich setze meine Pfote vorsichtig auf, der Sand kitzelt, aber der Schmerz ist fort.

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Sprachkunde bei der Gassirunde

„Hund! Komm her! …. Ey, Hund, komm her! …. Zu mir!“, die befehlende Stimme meiner Chefin hallt in meinen empfindlichen Gehörgängen nach, während ich meine Nase noch tiefer in das Gras tauche. Ich spiele: Ich sehe sie nicht und sie sieht mich nicht.

„HUND!“ Wahrscheinlich funktioniert das Spiel doch nicht, sie kommt hektischen Schrittes auf mich zu und klappert dabei mit der Leine. Schon klar. Ich weiß. Da vorn läuft ein großer Hund mit hellem Fell und hätte meine Chefin die Brille auf der Nase, würde sie erkennen, dass keine Gefahr droht. Es ist nur Mimi, das habe ich schon lange erschnüffelt. Kein böser Hovawart (die Geschichte erzähle ich Euch ein anderes Mal), der mir an die Kehle will, einfach nur Mimi, eine sandfarbene, nervige Labrador-Tussi, die vor lauter Schwanzwedeln fast in die Luft abhebt, wenn ihre Hüften nicht so wohl genährt wären. Wobei ich ihre Hüften schön finde, aber sie geht mir einfach auf den Keks. Ist mir zu aufgeregt, zu anbietend, zu laut. Einfach zu viel von allem.

„HUND! Bleib!“ Okay, ich tue meiner Chefin den Gefallen. Gleich wird sie sehen, dass die Hetze umsonst war. Aber das ist ihr Problem. Ich warte. Ich höre das Klicken des Karabiners in mein Halsband und schaue mein Frauchen aus treuen Augen an. Das habe ich perfektioniert, diesen Hundeblick. Von unten nach oben schauen, dabei die Ohren hängen lassen und ein bisschen Zwinkern. Ha! Hat wieder funktioniert und ein Leckerli wandert von Hand zu Hundeschnauze. Bevor die nächste Hundeschnauze sich feucht an den Köstlichkeitenbeutel drängt. Mimi hat uns erreicht. Kurz reibt sie sich an meinem Menschen, dann versucht sie es bei mir.

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Darm mit Charme

Es ist Sommer. Wir stehen in einem kleinen Buchladen, die Luft ist stickig und es gibt keine Klimaanlage. Durch die geöffnete Tür wabert nur noch mehr heiße Stadtluft in den kleinen Raum. Ich schaue an den haarigen Beinen vor mir hinauf. Langsam. Ganz langsam. Beginnend bei den beigen Socken mit braunem Rautenmuster in kessen dunkelbraunen Trekkingsandalen, über hellbeige Waden mit wilder Andeutung eines Fell., über recht dürre Schenkel, welche ganz oben in waldbodenbraunes Cord gewandet sind. Weiter komme ich nicht. Die Trekkingsandalen strengen sich an, den Laden zu verlassen. Ich höre meine Chefin nach einem Buch fragen. „Darm mit Charme“. Kann sie haben, denke ich und zwinkere mir selbst zu. Doch charmant sind die Worte nicht, welche innerhalb weniger Sekunden auf meine Darmtätigkeit reagieren.

„Das war der Hund!“, höre ich verstört meinen Menschen sich rechtfertigen. Hinter mir kichert ein kleines Kind. Ich drehe mich verschwörerisch zu ihm um. Wir klatschen uns in Gedanken ab. Ghetto-Fist. Zschhhhh. Nun wird die Büchertante lauter und bittet uns, ihr Geschäft zu verlassen. Sie lacht nicht. Ich schon und hinterlasse noch einen letzten stinkenden Gruß. Spaßbremse. Andere verkaufen ihre Worte über die Resteverwertung der eingenommenen Speisen für viel gutes Geld. Ich dagegen präsentiere kostenfrei wie eine gute Darmtätigkeit funktioniert. Doch weder Applaus noch blinkende Münze werden mir zuteil, sondern schroffe Worte und ein Platzverweis. Draußen kichert nun auch meine Chefin leise vor sich hin. An der nächsten Ecke erhalte ich doch eine kleine Belohnung. Ein Leckerchen und ein kurzes Kopfkraulen.

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