Wie uns das Karma schon wieder begnete.

Die Chefin ist explodiert. Mitten auf dem Fußweg unweit unserer Wohnhöhle, als das Hinterrad des klapprigen Drahtesels mit ebensolchen klapprigen alten Herren darauf, an der Zündschnur ihres Hutes vorbeischrammte. Zschhhhh! Ich habe es zündeln gesehen und wie sich die Flamme rasend schnell durch sämtliche Contenancen fraß.
„Ui!“, dachte ich „Das wird spaßig.“ Und platzierte meinen Fellhintern auf den sommerwarmen Beton.

„Hey!“, brüllte es auch schon aus der Chefin ihren Mund und funkengleich schoss sie Blicke auf den beige gewandeten Hintern des greisen Übeltäters.

„Kinder bis zwölf Jahre dürfen auf dem Fußweg fahren. Auf ihre Ausrede bin ich gespannt!“

Ein paar Meter weiter stoppte der Alte schlingernd sein Gefährt, war er doch durch den Streifzug auch etwas aus der Balance geraten. Ein behelmter Kopf wackelte in unsere Richtung und buschige Augenbrauen formten eine haarige Raupe über kleinen giftigen Augen.

„Mach dich nicht so breit, Weib!“, wetterte er erstaunlich kräftig.

Aus dem Strohut der Chefin flogen die Funken und ich machte mich auf ein Feuerwerk gefasst. Die Bremsen des Kinderwagens betätigend und meine Leine kürzer fassend – man weiß ja nie – trat sie dem Opa mit gerunzelter Stirn entgegen.

„Wie bitte!“, sie rang sichtlich um Fassung und hoffte nicht ihre eigene gute Kinderstube zu vergessen.

„Hast schon richtig gehört, Göre. Lebst hier nicht allein. Aber ihr Mütter mit euren breiten Kinderwagen denkt euch gehört die Welt und ihr könnt diese nutzen, wie es euch gefällt.“

Bis auf den unbeabsichtigten Reim, fand die Chefin wohl nichts gutes an den Worten und japste kurz nach Luft. Auf der Parkbank unweit des Geschehens, hockte der Postmann und verdrückte gerade sein Frühstücksbrot. Schnell schob er einen weiteren Bissen hinterher, um nichts sagen zu müssen. Das übernahm jetzt soundso mein Frauchen.

„Alter! Schwing deinen knorrigen Hintern auf dein Rad, sonst lasse ich meinen Hund von der Leine… Der hat heute noch nichts gefressen.“

Erstaunt blickte ich nach oben. Wie? Ich jetzt? Okay! Jetzt schaute auch ich grimmig und fixierte schon einmal die bestrumpfte Wade des Opas. Der Chefin zuliebe würde ich das Spiel mitspielen und so zeigte ich zur Unterstützung mein noch vollständiges Gebiss mit den scharfen Eckzähnen unter zitternden Lefzen.

Scheinbar beeindruckte das den greisen Herren doch und mit wackeligen Beinen trat er vor sich hinwetternd in die Pedalen. Der Postbote verschluckte sich an einem Krümchen seines Pausenbrotes und die Chefin schaute noch ein wenig aus der Nase qualmend auf mich herab. Dann grinste sie und beugte sich zu mir herunter.

„High Five, Kumpel!“ Ich schlug mit der Pfote ein. Den hatten wir es gegeben. Und da ich alte, sehnige Männer nicht anrühre – das bleibt jetzt unter uns, sonst verfliegt der Effekt beim nächsten Mal – freute ich mich auf ein Leckerli aus der Tasche meiner Chefin.

„Karma!“, brummelte sie vor sich hin, während sie den Kinderwagen entsicherte, einen Blick auf das schlummernde Baby warf und am noch immer hustenden Postboden stolz vorbei schritt.
„Das ist alles Karma, hörst du. Oder wie wir früher gesagt haben: So wie es in den Wald hinein schreit, schallt es zurück!“

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