Hat doch die Töle einen Pelzmantel an…

…oder wie der Schneemann zu seiner Krawatte kam.

„Hat doch die Töle einen Pelzmantel an.“

Der Chef guckt die Chefin fragend an.

„Kennste nicht?“

Ratloses Kopfschütteln.

„Ist aus einem Louis de Funes – Film. Fisch oder Fleisch. Da rennt ein Hund im Fuchskostüm durch den Wald und Louis ruft: Hat doch die Töle einen Pelzmantel an.“

„Mhm…“

Ich halte es wie der Chef und schüttele innerlich das Haupt. Die Chefin findet es witzig.

„Was ich damit sagen wollte, ist, dass mir im Park zwei Frauen begegnet sind und eine davon sehr belustigt auf unseren Hund zeigte und mich dann fragte, ob es zu der Jacke auch eine passende Mütze gäbe.“, erklärt sich das Frauchen endlich.

„Klar!, habe ich gerufen. Sogar passende Stiefelchen, aber die gibt es nur bei Tiefschnee.“

„Was ist daran so lustig, wenn ein Hund eine Jacke trägt? Ich habe auch nicht immer Lust zu erklären, dass er kälteempfindlich ist. Ich sehe ihm ja an, dass er sich der Jacke wegen schämt.“

„Warum redest du dich so in Rage?“, schenkt der Chef jetzt seine volle Aufmerksamkeit seiner Frau und ich schaue zwischen beiden hin- und her.

„Ach, manchmal nervt es einfach. Können die Nichtwisser das nicht einfach akzeptieren, anstatt mit den Fingern auf unseren Hund zu zeigen und ihn auszulachen? Ich habe die Frau auch nicht gefragt, ob sie ihr Hüftgold aufgrund der Kälte trägt.“

Ich sehe, wie sich ein Grinsen auf Herrchens Gesicht schleicht. „Und sonst so, wie war die Hunderunde?“

„Lustig.“, bekommt er als knappe Antwort. Und dann lacht die Chefin los. Ich weiß genau, worauf sie anspielt. Doch von vorn.

Der Tag beginnt, wie der gestrige geendet hatte. Kalt. Viel zu kalt für mich und meine zarten Lederslipper. Ich mag Kälte nicht. Und Regen. Und Wind. Ein Blick aus dem Fenster werfend, bestätigt mir meine Ahnung. Es ist bewölkt und auf den Dächern liegt Schnee. Ich bleibe liegen. Die Chefin zieht sich derweil Mütze, Schal und dicke Jacke an. Dann schaut sie mich auffordernd an.

„Na Kumpel, wollen wir raus gehen?“

Ich blinzele kurz und stecke meine Nase tiefer in die Decke. Wenn sie spazieren gehen will – bitteschön! Aber ohne mich. Doch die Chefin hat so ihre Methoden. Unsanft werde ich aus der Decke geschält und mit ihrem Gesicht ganz nahe vor dem meinen, sucht sie Blickkontakt.

„Hallo! Ist da jemand zuhause?“, pustet sie mir in die Nase und klopft leicht auf meinen Kopf. Und da kleine Sünden der liebe Gott sofort betraft, niese ich ihr mitten ins Gesicht. Den Blick hättet ihr sehen sollen. Irgend etwas zwischen erschrocken, angeekelt und leiser Belustigung.

„Och nö! Äks! Das ist pfui!“, lamentiert sie unterstreichend.

Ja. Selber schuld, denke ich und feixe nun meinerseits in mich hinein. Ihre Geduld nicht überstrapazierend – die Chefin ist schließlich nicht nur sehr schwanger, sondern damit auch voller Hormone – erhebe ich mich mühsam aus meinem wunderbar warmen und weichen Bettchen, strecke erst alle Viere, dann den Hals und schüttele den letzten Schlaf aus meinem Fell. Es kann losgehen. Zufrieden guckt mich meine menschliche Kugel an und zaubert sogleich meine (nicht) heiß geliebte Hundejacke hervor. Okay, sie hält mich wirklich warm, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass ich damit wie Batman für Arme aussehe. Dabei kann ich noch froh sein, dass der Chef die Jacke gekauft hat – in gedeckten Farben. Die Chefin ist da manchmal mutiger. Gerade hat sie eine Gelbphase. Stellt euch vor, sie hätte die Farbe aussuchen dürfen. Dann wäre ich nicht Batman, sondern Willy, der Postbote.

Dann geht es los. Also ich. Die Chefin watschelt. Ich trage meinen liebsten Ball mit mir, sie ihre Kugel. Und gerade als ich mein erstes größeres Geschäft erledigen will, spüre ich einen kühlen Luftzug knapp über meinen Rücken. Erschrocken drehe ich mich um und sehe gerade noch, wie einer dieser schwarzen Vögel teuflisch grinsend wenige Meter neben mir landet. Die Zähne aufeinanderpressen wollend, beiße ich doch nur auf meinen Ball, der umgehend schrill quietscht. Dann spucke ich ihn aus und stütze mich todesmutig auf das Federvieh. Fast hätte ich ihn gepackt, doch schon schwingt er sich gackernd in die Luft und kreist über meinem Kopf. Dann lässt er sich auf einem Ast nieder und betrachtet mich ruhig. Ich tobe.

„Komm runter, du Feigling! Lass uns ehrlich miteinander kämpfen. Los! Zeig was du auf dem Kasten hast!“

Doch der Vogel bleibt einfach sitzen. Etwas weiter weg kickt die Chefin meinen Ball auf die Wiese. Das nehme ich als Anlass, dem Feigling den Rücken zu kehren und meine Aufmerksamkeit wieder auf das Wesentliche zu lenken – die Kugeln spazieren zu führen. Und wie überrascht bin ich erst, als ich weitere Kugeln in unserem Parkt bemerke. Die haben gestern noch nicht hier gestanden. Große und kleine Kugeln, aufeinandergestapelt und mit Stöcken versehen. Sie sind aus dem selben Weiß, dass die Dächer, Wiesen und Wege verdeckt. Aus Schnee. Was für ein Spaß! Denn jetzt habe ich neue Ziele, die ich anpinkeln kann. Und so laufe ich im Zickzack über die Wiese und erfreue mich meines Spieles. Bei einem besonders schönem Exemplar bleibe ich stehen und schmücke die Figur mit einer Krawatte. Mein Werk kurz betrachtend, höre ich plötzlich die Chefin neben mir lauthals lachen.

„Feiner Hund!“, gackert sie und zückt ihr Smartphone. „Das müssen wir für das Herrchen festhalten.“

Zufrieden entferne ich mich von meinem Kunstwerk, da der Geruch langsam in der Nase beißt. Doch schon klaubt die Chefin einen Beutel aus ihrer Tasche und zupft die Krawatte vom Schneemann. Schade eigentlich. Dann stapfen wir weiter gemütlich durch den Schnee. Ich nehme nun doch ein wenig Rücksicht. Am Ende des Parks angelangt, sehe ich aus den Augenwinkeln den schwarzen Vogel lauern, sehe, wie er sich in die Lüfte schwingt und in meine Richtung fliegt. Doch kurz bevor er schwanznah über mich hinwegsegeln kann, schlage ich eine Kurve und weiche dem listigen Angreifer aus. Zur Bestätigung quietsche ich nochmals mit meinem Ball und trolle mich dann gen Fußweg, auf welchem gerade zwei kichernde Frauen laufen. Sie gucken in meine Richtung und lachen. Dann sprechen sie kurz meine Chefin an, deren Stirn sich plötzlich umwölkt. Keine Ahnung um was es geht, aber die Chefin gewinnt immer!

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