Von Bällen und Püpsen

„Du wirst langsam wunderlich.“, meint die Chefin und grinst mich vielsagend an. Ich schaue unter dem Tisch hervor und tue so, als ob ich sie nicht verstehen würde. Dann schickt mich der Chef aus der Küche und auf meine Hundedecke.

„Ich muss es anders angehen.“, denke ich noch, während ich mich auf der weichen Decke zusammenkuschele. Die beiden sind echt hartgesotten und ausdauernd. Oder einfach sehr geruchserprobt. Natürlich weiß ich, dass Betteln am Tisch nicht erlaubt ist. Also schleiche mich unter selbigen und verhalte mich ruhig. Ganz ruhig. Mucksmäuschenstill ruhig. Ich entspanne. Und im entscheidenen Moment lasse ich alle Entspannung aus mir heraus und setze eine kräftige Duftmarke. Okay, auf dem Fliesenboden ist das manchmal mit einem Geräusch verbunden, manchmal gelingt es mir jedoch, die Pobacken so anzuheben, dass meine Flatulenz geräuschlos unter dem Tisch hervor dampft. Der Plan dabei ist, dass meine beiden Menschen angewidert aufspringen und den Raum verlassen. Dann habe ich freien Zugriff. Doch meinen Plan habe ich ohne die beiden gemacht. Die sind zwar angewidert, aber bleiben sitzen und wedeln meine Bombe mit Händen und Beinen zur Tür hinaus. Wie eben auch mich – mit Worten. Diese Methode probe ich nun schon einige Zeit, aber der Erfolg bleibt einfach aus. Vielleicht sollte ich mir etwas neues einfallen lassen. Eine Zeit lang habe ich zum Beispiel mein Fressen nicht mehr angerührt, wenn die Chefin oder der Chef nicht daneben stehen geblieben sind. Aber auch das haben beide kurzfristig durchschaut und sich dann lachend mit dem Finger an die Stirn geklopft. Keine Ahnung was das zu bedeuten hat, aber in der Menschensprache ist so einiges anders. Das Zungeherausstrecken zum Beispiel. Ich denke immer: „Toll, jetzt gibt es eine Liebkosung!“, doch dann ziehen sie ihren kurzen rosa Lappen wieder hinter die Zähne zurück und wenden sich ab.

In letzter Zeit zeigt die Chefin immer wieder auf ihren Bauch und meint, ich soll mal riechen. Warum? Das Bauchknöpfchen vom Chef oder das von seinem Kumpel Siggi riecht viel besser. Herber. Und manchmal finde ich dort eine einsame Fussel. Das Bauchknöpfchen von der Chefin ist mir zu mädchenhaft. Außerdem bewegt sich ihr Bauch so merkwürdig. Letztens habe ich von diesem einen Tritt bekommen, als ich mich so schön angekuschelt hatte. Irgendwas komisches geht da vor.

Ich verstehe soundso nicht, weshalb sie diese Kugel mit sich trägt. Aber da ich ein lernfähiger Hund bin, habe ich vor drei Tagen einen Selbstversuch gestartet und mir aus meiner Kiste einen besonders schönen, weichen und knallroten Ball ausgesucht. Auf der Hundewiese habe ich dessen Neidpotenzial getestet und festgestellt, dass selbst meine Freundin Rosi ihren orangen Lieblingsball dafür hergeben würde. Perfekte Wahl. Seitdem trage ich diesen Ball mit mir herum. Draußen, drinnen. Überall. Wenn ich schlafe, liegt er neben mir. Immer in Griffweite. Meine Menschen schütteln zwar belustigt den Kopf, lassen mir aber meinen Spaß.
„Wenigstens nascht er somit unterwegs keine Kacke.“, hat sich gerade heute die Chefin geäußert. Wenn die wüsste…
Mein Resümee nach drei Tagen? Fetzt! Manchmal etwas anstrengend, gerade beim Schnüffeln, aber es ist gut eine kleine Aufgabe zu haben. Ein wenig kann ich mein Frauchen nun verstehen. Auch wenn ich meinen Ball nicht so oft streichele, wie sie ihren. Soll sie lieber mit mir machen.

Es grüßt und bellt, der Rockstarhund von Welt.

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