Heiter bis stürmisch.

Ich liebe Sonntage. Der Chef und die Chefin starten entspannt in den Tag und am Nachmittag geht es meistens in den Wald. Was für ein (Hunde-) Leben! Und heiter begann auch dieser Sonntag. Gegen 9.30 Uhr streckte die Chefin erst ihre Nase ins Wohnzimmer und blinzelte noch etwas verschlafen, dann folgten ihr Bauch und schlussendlich auch der Rest. Ich rückte mich schon in Pose und präsentierte ihr meinen Bauch zum Kraulen. Tat sie auch. Nur zu kurz. Aber ich will nicht kleinlich sein, da ihr Magen so laut grollte, wie Benno von Weyden, der alte Protzer, wenn er mich sieht. Benno ist ein Chihuahua, wurde aber von einer Rottweilerdame aufgezogen, weil seine eigene Mutter leider zu früh das zeitliche segnete. Jetzt könnt ihr Euch vorstellen, was in seinem kleinen Hundehirn vor sich geht und das auch alle Erklärungsversuche nichts nutzen. Benno hält sich für einen potenten Rottweilerrüden. Doch ich schweife ab.

Nach Cornflakes und Morgentoilette stand die Chefin bereit und zog uns beiden ein tarnfarbenes Mäntelchen an. Sie grinste. Der Chef – heute mit dem Frühstücksdienst beauftragt – fragte, ob wir uns in unserem Partnerlook vor der Welt verstecken wollten. Wenn der wüsste. Eine Tarnkappe für uns beide wäre wohl die bessere Wahl gewesen. Dann ging es los. Ab in den Park. Trotz eisiger Temperaturen blinzelte die Sonne durch milchig weiße Wolken und zeigt noch einmal die Farbenpracht des Herbstes. Gut gelaunt knipste meine Menschin mich von der Leine und animierte mich, die Sonntagszeitung im Park zu lesen. Hier und da kommentierte ich die Berichte oder korrigierte Falschmeldungen. Zwischendurch stärkte ich mich mit kleinen Leckereien aus der Chefin-Tasche. Es war traumhaft. Wir dödelten beide vor uns hin. 

Ein paar Erinnerungsfotos später, hakte sie mich urplötzlich wieder an die Leine. Die Frau ist gut. Noch bevor ich Witterung aufnehmen konnte, hatte sie den Grund der Leinennötigung schon von weitem erspäht. Ein Jogger. Nein, ich habe nichts gegen Jogger, die interessieren mich nicht – außer, sie joggen gemeinsam mit ihrem befellten Kumpel. Ich rieche die Gefahr und baue mich schon vorsorglich auf, doch die Chefin ist schneller und tritt vom Weg auf die Wiese um einen Bogen um den Herrn und seinen Hund zu machen. Egal, ich brülle ihm trotzdem ein paar Unflätigkeiten entgegen. Schließlich bin ich der Rockstarhund und das sollte die Type auch wissen. Dummerweise zog dieser ruckartig an der Leine seines Herren und in unsere Richtung, so dass das schmale Männlein, also sein Besitzer, fast strauchelte und nun seinerseits wütend die Leine zurück zog und stehen blieb. Ich sah aus den Augenwinkeln, wie mein Frauchen mit dem Kopf schüttelte und mich zappelnd weiter zog. Ein sehr lautes „AUS“ bekräftigte noch einmal ihre Autorität und ich erinnerte mich daran, wer Chefin und wer Hund ist. Und sie ist eine kluge, vorausschauende Chefin. Denn obwohl ich sie schmachtend und bittend anschaute, blieb ich an der Leine. Drei Ecken weiter wurde mir auch klar warum. Das Jogger-Männlein und seine braune Kampfwurst wollten wiederholt unseren Weg kreuzen. Diesmal bat die Chefin, dass er einen Bogen um uns laufen sollten, weil wir sonst ins Gebüsch treten müssten. Der Graue schüttelte unisono mit seinem Hund das Haupt. Er möchte auf dem Weg bleiben, den läuft er schließlich immer. Das ist wichtig. Die Chefin probierte es erneut und wies auf ihren Bauch – manchmal half das. Menschen mögen schwangere Frauen. Die beiden eher nicht.

„Nein!“, meinte der Alte.

Die Chefin beschrieb ihn später dem Chef gegenüber als drahtigen Endsechziger mit runder Sonnenbrille.

Ich merkte den Sturm aufziehen und bekräftigte das Herannahen mit lautstarkem Gebell. Das war nicht clever, denn bevor das Jogger-Männlein sein Fett wegbekam, blaffte mich ein sehr erbostes Frauchen von oben an und zwang mich mit dröhnender Stimme zur Ruhe. Habt ihr schon einmal eine schwangere Frau ausrasten erlebt? Ich kann Euch sagen…. Der Chef meint immer, dass die Chefin seitdem hormongesteuert präzise Aussagen platziert und die sonst üblichen Blümchen in ihren Wahrheiten weglässt. So auch jetzt.

„Ignoranter alter Mann! Sie sollten sich schämen!“, waren noch die humansten Sätze, welche aus ihrem Mund feuerten. Doch plötzlich trollte der Alte sich und zog seinen nun seinerseits wetternden Hundekumpel hinter sich her. Ein zwei Worte musste ich dann natürlich auch noch verlieren, das besiegelte auch das Verlieren meines Auslaufes an diesem Morgen. Den Rest des Weges trabte ich bei Fuß neben meinem schnaubenden Frauchen einher.

Seitdem versuche ich es mit lieb bis sehr lieb guckend und hoffe, dass sich die Gewitterwolken um ihre Stirn bald wieder verziehen mögen. Drückt mir alle Daumen und Pfoten, schließlich ist Sonntag. Der entspannteste Tag der Woche. Eigentlich.

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