Scream on Halloween.

Vor mir erstreckt sich ein stiller Bergsee, der in der Dämmerung violett schimmert. Die Luft ist klar und frisch. Berge umsäumen das Wasser wie stille Schattenriesen und der Mond hängt wie eine silbrige Scheibe am sich verdunkelnden Himmel. Während meine Menschen in der hell erleuchteten Blockhütte werkeln und würzige Düfte durch die geöffnete Tür wabern, habe ich mich rausgeschlichen um noch ein wenig von unserem Urlaubsort zu erkunden. Keine Menschenseele weit und breit. Stille.

Ich umlaufe das Grundstück und erschnüffele die wenige Nachrichten anderer Tiere, als ich rechts von mir ein Rascheln vernehme. Ich halte inne und meine Nasenspitze zittert in der kühlen Abendluft. Da, es raschelt wieder. Eine Pfote vor die andere setzend, gehe ich dem Geräusch nach. Ein feiner Duft streift mein empfindliches Geruchsorgan und ich folge ihm. Meine Augen haben sich etwas an das Dämmerlicht gewöhnt und so kann ich einen Schatten wahrnehmen, der seltsam unbeholfen, aber flink über den Boden huscht. Ich nähere mich leise. Der Schatten bleibt stehen. Ich auch. Eine kleine Weile vergeht, dann bewegt sich das seltsame Geschöpf weiter. Ich ebenfalls. Es bleibt erneut stehen, uns trennt kein Meter. Dann verformt sich die Gestalt und kugelt sich ein. Es reicht. Ich platze fast vor Neugier und tapse die letzten Zentimeter auf das Ziel zu. Es riecht etwas faulig. Mit meiner Schnauze stupse ich die Kugel an und fahre im selben Moment erschrocken zurück. Ein kurzes Aufjaulen unterstreicht den piekenden Schmerz meiner Nase. Ein Igel. Ich bin einem Igel auferlegen. Fast schon beleidigt belle ich ihn kurz an und trolle mich abschließend in die andere Richtung.

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Die da?

Die Chefin hat gesagt, ich soll nicht alle meine Geschichten vorab verraten. Schließlich brauchen wir noch Material für das Buch. Sonst liest es keiner. Deshalb heute nur ein Kurzer von mir:

Die da.

Es ist Sonntag und die Chefin trinkt Tee in ’nem Café,
als ich dieses schöne Wesen an dem Tresen stehen seh’.
Gesell ich mich dazu und hab’n Lied für sie gebellt,
naja ich gebe zu ich hab getan als wär’ ich Hund von Welt.

Doch alles lief wie geschmiert, was mache ich mir Sorgen.
Denn wir bepinseln und verwinseln uns für Übermorgen.
Und ich wollt mit ihr in den Park geh’n,
stattdessen war’n wir fressen,
denn sie hatte den Wetterbericht geseh’n und den Regenmantel vergess’n.

Sie an meinen Fressnapf zu führen,
allein mit mir im Küchenlicht.
Hey hat sie sich dann bedankt? – Natürlich nicht.
Doch sie sagte noch zu mir dass wir später gemeinsam Gassi geh’n,
und seitdem wart’ ich darauf, sie wiederzuseh’n.

Und jetzt alle!

Ist es die da, die da am Eingang steht,
oder die da, die dir den Kopf verdreht.
Ist es die da die mit’m dicken Fellpulli an Mann.
Nein es ist die Hündin – die mich ab heute mal kann.

 

Mit freundlicher Inspiration der Fantastischen 4 für „Die da“.
Der Rockstarhund goes Hiphop.

 

Shades Of Grey -das Leben ist bunt.

„Die kommt aus Ungarn.“

„Hm, ich weiß.“

„Als ob wir hier nicht genug Hunde in den Tierheimen hätten.“

„Oh, mir war gar nicht bewusst, dass sich Tierschutz allein auf Deutschland begrenzt.“

„Wie meinen Sie das?“

„So wie ich es sage. Der Hund im ansässigen Tierheim hat genauso eine Chance auf ein gutes Zuhause, wie der Hund aus Ungarn, Polen, Tschechien oder irgendwoher. Zumal unsere Heime den Tieren ein Dach über dem Kopf und regelmäßiges Futter bieten. Das ist in anderen Ländern nicht immer bedingbar.“

Eine kurze Pause entsteht und ich schaue aufmerksam von meiner Chefin zu der anderen Frau, deren Mops mir gerade wiederholt am Hintern schnüffelt.

Manchmal denke ich, dass diese Art der Sympathiebekundung es auch Menschen einfacher machen würde, miteinander umzugehen. Eine kurze, aber intensive Geruchsprobe und schon klärt sich die Frage der Anziehung. Während ich meinen Gedanken nach- und den Mops versuche abzuhängen, wird das Gespräch und die Luft obenrum dünner.

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Das letzte Wort … habe immer noch ich.

„Was für eine Rasse ist der?“, fragte die eine, der ganz in blau gewandeten Damen meine Chefin, die etwas hilflos mit den Schultern zuckt. Dann zuckt es kaum vernehmbar um ihre Mundwinkel und ich ahne Schalkhaftes.

„Pokö-Labbistafvis*.“, jetzt war es draußen.

„Wie meinen?“

Sie entschließt sich, verständlicher zu antworten. „DER ist keine Rasse.“

„Ein Mischling also.“, begreift die Uniformierte. Sie hat viele Falten im Gesicht, wie mein Kumpel Erwin, ein Shar-Pei. Im Gegensatz zu ihm sieht sie jedoch weniger drollig aus. Eher so, als hätte man ihr drei Tage nichts zu essen gegeben. Ihre Lefzen hängen auf halb acht, genau wie das graubraune Fell auf ihrem Kopf.

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