Ein PoKö-Labbistafviz. Zum Tag des Mischlinghundes.

„Wer bist du denn?“, fragt mich der Typ, dessen Fell allein um die Schnauze wächst. Bunt ist er. Auf seiner Haut tummeln sich unzählige Bilder. Bestimmt fehlt ihm deshalb die Behaarung. Er steht über mir, die Hände in die Seiten gestemmt und blickt mich fragend an. Ich schaue zurück und belle ein bisschen.

„Lenny, Rockstar-Hund und der beste Freund von Pippa.“

Er versteht mich nicht, die Chefin schon und übersetzt meine Antwort in ein für ihn verständliches Deutsch.

„Ahhh!“, tonalt nun der Bärtige. „Und WAS bist du?“, fragt er wieder an mich gewandt.

„Ein Hund!“, belle ich ihm entgegen. „Alter, was sonst. Vier Beine auf einem geschmeidigen Körper, eine Rute, ein Kopf und zwei Ohren. Eine Schnauze, die dich gerade anbellt, was beweist: Ich bin ein Köter.“

Wieder schaut er die Chefin an, die nun wissend in sich hinein schmunzelt.

„Ist wahrscheinlich ein Pokö.“, beginnt sie mit ihrer freien Übersetzung. „Mit einem Schuss Labbistafviz.“

„Gesundheit.“, denke ich und grinse nun meinerseits Pippa an, meine reinrassige Jack-Russel-Terrier-Freundin. Auch liebevoll Dönerspieß oder Pummelfee genannt. Sie wird langsam grau um ihr süßes Schnäuzchen und die einst schmale Taille weicht nun dem Alter und den Leckerlis.

„Ein was?“, hakt der bunt bemalte mit krauser Stirn bei der Chefin nach.

„Ein Pokö-Labbistafviz. Ein Polenköter. Eine Mischung aus Labrador, Stafford und Magyar Viszla. Aber so ganz genau weiß ich das auch nicht. Heute Morgen glaubte er kurz ein Wolfshund zu sein und legte sich mit einem Schäferhund an. Wer gewonnen hat, kannst du an seiner lädierten Schnauze sehen. Danach war er ein süßer Chihuahua.“

„Mhm. Interessant.“, man sieht ihm die leichte Irritation an. „Und warum bellt er mich an?“

„Weil du Fragen stellst und er antwortet.“

„Ah!“ Jetzt dreht er sich weg. Ist ihm wohl zu einfach – oder nicht.

Ich trolle mich mit Pippa zurück auf die Wiese und wir schnüffeln uns ein wenig an den Hinterteilen herum.

Plötzlich schießt von links ein weiterer Mensch auf uns zu. Die Schnauze unbehaart und der Körper nicht verziert. Soweit ich gucken kann. Dafür glotzt mich leichter Irrsinn an.

„Huiiiiii, wer bist du denn?“, quietscht er mit sehr hoher Stimme.

Bevor ich antworte, betrachte ich die verhüllte Mitte seines Körpers und nehme einen tiefen Atemzug. Nein, er ist nicht kastriert. Vielleicht hat ihm jemand in seine Kronjuwelen getreten? Ich werde es nicht herausfinden und wiederhole meinen Begrüßungs-Satz.

„Lenny. Rockstar-Hund und bester Freund von Pippa.“ Höflichkeit ist alles, hat mir die Chefin mal beigebracht.

„Ahhhh! Ein Hund!“, ich verstehe.

Jetzt ist es an mir, verwirrt zu gucken. Der Typ grinst mich weiter irre an.

„Ich bin Lenny.“, versuche ich es noch einmal.

„Ein Hund. Jaja, ich verstehe. Ein schwarzer. Schön, schön.“

Der Mensch wird mir unheimlich und ich suche im den Gewirr aus anderen Menschen meine Chefin. Unsere Blicke treffen sich. Sie grinst.

„Tim, lass gut sein. Du verstehst ihn ja doch nicht. Das ist Lenny, er gehört zu mir.“

„Du hast einen Hund?“, setzt er nun seine Befragung an mein Frauchen fort.

„Naja, sollte es ein Elefant sein, habe ich die letzten sieben Jahre irgendetwas falsch verstanden oder meine Brille muss neu eingestellt werden. Aber um deine Frage korrekt zu beantworten: ja. Habe ich. Haben wir.“

Der Chef gehört schließlich auch dazu, auch wenn er bei der heutigen Gartenparty nicht anwesend ist, weil er sich anderweitig ohne uns vergnügt.

Tim nickt scheinbar wissend. Ich schaue zu ihm auf. Hinter seinen Augen sehe ich ein Licht, aber ich bezweifle, dass jemand zuhause ist. Ihr wisst, was ich meine…

„Und bevor du fragst.“, kommt ihm die Chefin die nächste Erkundigung ahnend zuvor, „Er ist ein Mischlingshund.“

„Und warum?“ schießt Tim nun doch schnell hinterher.

Jetzt guckt die Chefin verwirrt. Ich sehe ihr Hirn sämtliche Antworten durchgehen, bis sie sich für die passende entscheidet.

„Weil seine Vorfahren es einfach drauf hatten und sich nicht um Rassismus und Rassentrennung geschert hatten. Die wollten einfach ihren Spaß und das Leben genießen. Ganz oft kommen dabei ganz wunderbare Ergebnisse heraus. Lenny zum Beispiel. Ein Pokö-Labbistafviz. Ein hübscher, starker Kerl, ein Rockstar und Frauenheld. Mein kleiner Charmeur und Lieblingshund. Da kommt er ganz nach Herrchen, der auch nicht ganz reinrassig ist. Du verstehst?“

Nun erlischt doch das Licht hinter Timmy’s Augen und er nickt leicht debil in meine Richtung. Dafür leckt mir Pippa über die Schnauze, der es augenscheinlich egal ist, aus was ich zusammengesetzt bin. Hauptsache, es sieht lecker aus und schmeckt auch so. Ich stupse mit meine Nase zurück und wir schleichen uns in den hinteren Teil des Gartens, wo uns niemand sieht.

PS.: Eventuelle Parallelen zu lebenden und/oder realen Personen sind beabsichtigt, aber bitte nicht ernst zu nehmen.

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