Und es hat ‚Omm‘ gemacht.

Morgens beobachte ich gern die Chefin, wie sie ihren Ritualen nachgeht. Seit einiger Zeit ist ein neues hinzu gekommen, was zwischen kaltem Wasser im Gesicht und der ersten Tasse Kaffee stattfindet. Dafür steht sie extra eine halbe Stunde früher auf.

„Das, mein lieber Hund, ist Yoga.“ hat sie mir mal mit wichtigtuerischem Blick erzählt.

Ich nenne es lustiges Figurentanzen und habe eine leise Ahnung, dass sie mir einige davon abgeschaut hat. Den Hund zum Beispiel. Die Hinterläufe auf dem Boden ausgestreckt, die Vorderpfoten gerade auf selbigen gestemmt und den Hals ganz weit in die Luft strecken. Dabei den Rumpf nach oben dehnen. Danach imitiert sie direkt die Katze aus Nachbars Garten und stellt sich auf alle vier Beine und drückt den Körper buckelähnlich nach oben, um sich dann langsam in eine gerade Position zurück zu atmen. Sieht komisch aus, ist es anscheinend auch.

Heute morgen habe ich mich genau vor sie gestellt, hat sie gar nicht bemerkt, da sie ihre Augen bei den Übungen geschlossen hält, als wolle sie die Welt um sich ausblenden. Als sie dann auf allen Vieren vor mir stand und mit einem entspannten Gesichtsausdruck die Dehnung genoss, habe ich ihr einfach quer über Mund und Nase geleckt. Nur um zu gucken, wie sie reagiert. Das hat sie auch. Sie hat sich lauthals lachend auf die Matte plumpsen lassen und mit der Hand meine Spuke aus dem Gesicht gewischt. Das war mein Zeichen und ich schmiss mich hinterher, genauer gesagt über den Rücken der Chefin. Dann hat sie sich blitzschnell gedreht und wir hampelten ein wenig auf der rosa Matte herum, die sie für das Figurentanzen nutzt.

Anschließend gab es den obligatorischen Kaffee für sie und ein kurzes Ausruhen auf dem Balkon für mich, bevor es hinaus in den Park ging, um die neuesten Nachrichten im Hunde-Facebook abzurufen. Meine Freundin Emmi hatte mir eine kurze Botschaft hinterlassen, dass der Pansen von gestern Abend zwar lecker, aber wohl schon etwas vergoren war und sie deshalb heute nicht mit mir spielen könne. Verstehe und kenne ich. Die Lachshaut von vor zwei Tagen lag mir auch noch schwer im Magen. Doch dem leichten Druck nach zu urteilen, sollte sich das bald erledigen.

Unterwegs trafen wir noch auf Herrn Meier, einem weißen Königspudel ohne Eier. Einem Kastrat, einer Rüdin. Dafür ist er völlig irre hinter seinen Locken. Ich mutmaße manchmal, dass ihm noch mehr als die Corones entfernt wurde. Und natürlich machte er sich wieder einen Spaß daraus, mich vor der ersten Morgentoilette über die Wiese zu jagen. Wer schon einmal mit einem Arsch voll Verdautem gerannt ist, weiß was ich meine. In einem dichten Gebüsch konnte ich ihn endlich abhängen und meiner wohlverdienten Notdurft nachgehen. Doch am Ausgang des Gestrüpps wartete Herr Meier schon mit durchgeknalltem Blick. Nur war ich jetzt schneller und das nutze ich schamlos aus und verschwand hinter der nächsten Biegung im Wäldchen der Parkanlage. Meine Chefin, noch ganz entspannt vom Yoga, verabschiedete sich von Herrn Meiers Chef und schlenderte mir hinterher.

Auf dem Rückweg versuchte ich noch die leckere Bratwurst aus der Hand eines Bauarbeiters zu stibitzen, scheiterte jedoch am plötzlichen Ruck der Leine und dem wedelndem Zeigefinger vor meiner Nase. Ich sage immer: einmal probiert ist halb gewonnen und erinnere mich an das leckere Rumpsteak vom Teller meines Herrchens im vergangenen Winter…

Namasté, euer Lieblingshund.

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