What’s Up, Buttercup?

Whats’s up? Es ist Wochenende und die Chefin trägt noch ihr Kissen im Gesicht. Merke: wenn sie wie eine Mischung aus chinesischem Faltenhund und Bull-Terrier aus dem Bett steigt, sei unbedingt freundlich. Besser noch, verhalte dich still und geh auf deinen dir zugewiesenen Platz. In meiner Freude über den beginnenden Samstag habe ich das völlig überblickt und bin ihr direkt mit feuchter Zunge ins Gesicht gesprungen. Ihre Antwort war ein direkter Platzverweis und ein dreimal aufeinanderfolgendes polterndes Niesen. Der Chef schaut misstrauisch auf die zerknautschte Frau, die neben ihm im Bett versucht sämtliche Gebeine auseinanderzuknoten.

„Na, schlecht geschlafen?“

„Hmmm, grmpf, haaaatschhiii!“, antwortet sie ihn übersprudelnd.

Letzteres hatte ich in der vergangenen Nacht des Öfteren vernommen und mich von meiner Schlafgelegenheit am Fußende des Bettes auf mein persönliches Sofa in der Stube verzogen. So ein Hundeschlaf ist sensibel. Und wenn sich zu den Nies- noch Denkattacken gesellen, wird es auch mir zu bunt und ich suche meinen Traumfrieden an stilleren Orten. Den Chef hat das nicht gestört, er hatte in der Zeit Wälder abgeholzt, wie es sich für einen ordentlichen Kerl gehört.

Einen Kaffee später sitzt meine Menschin vor ihrem Spiegel und versucht mit allerlei Töpfchen und Pinsel ein Gesicht in die Falten zu zeichnen. Ich beobachte sie dabei und lege meinen Kopf auf ihren nackten Oberschenkel. Eigentlich müsste nun ein kurzes Kopftätscheln folgen und das Versprechen, gleich mit mir auf Entdeckerreise in den Park zu gehen. Stattdessen kratzt sie meine Barthaare von ihrer Haut und murmelt mir unverständliche Worte entgegen. Okay, Stufe zwei auf der Aufmerksamkeitsskala. Ich stupse sie an. Dabei verrutscht ihre Wimperntusche über die Schläfe hinaus Richtung Haaransatz. Ich muss kichern. Sie nicht. Halbseitig japanische Geisha, guckt sie mich entsetzt an und nölt ein „Lass das“! in meine Richtung. Was? War nicht richtig? Okay, dann Stufe drei ankurbeln. Ich lecke ihr quer über den noch immer nackt dargebotenen Oberschenkel.

„IIIiiiihhhhhh!“, brüllt es nun munterer aus ihrer Richtung. Gefolgt von einem ausgetreckten Arm in Richtung Decke: „Auf deinen Platz Hund!“

Ich trotte zurück zu meinem Schlafplatz. Und während ich mich bequem hinlege, überlege ich, ob das wohl ein Spiel ist. Ich beobachte sie weiter. Das Gesicht steht halbwegs, ist zumindest ausgangstauglich. Sie steht auf. Ich auch. Sie verlässt das Schlafzimmer. Ich auch. Sie geht ins Bad. Ich auch. Dort hat es sich der Chef in der Zeit bequem gemacht und grinst uns beide an. Sie nimmt ihre Zahnbürste und verlässt mit verstopfter Nase den Raum. Ich auch. Während sie ihr Gebiss bearbeitet, packt sie das Hundeüberlebenspaket am Multifunktionsgürtel zusammen. Leckerli, Kottüten, Taschentücher, Zeckenzange, Handy und Wasserflasche. Check! Die Zahnbürste noch immer im Mund läuft sie mit verhangenem Blick zurück zum Bad, um in einer erneuten Niesattacke die Tür davor mit der weißen Paste zu bespucken, welche gerade noch in ihrem Rachen schäumte.

Nicht ihr Tag, denke ich noch und zwänge mich zwischen sie um als erster das Bad zu betreten. Dumm nur, dass ich statt links oder rechts an meiner Chefin vorbei, direkt die Mitte gewählt habe. Sie strauchelt, die Füße tanzen einen seltsamen Discofox und treten dabei auf sich selbst. Gott sei Dank steht der Chef schon hinter der Tür bereit um seine Frau bei dem Tanz zu begleiten. Er übernimmt die Führung und stellt sie auf beide Beine zurück. Es ist nichts passiert, auch wenn die Chefin mich anguckt, als hätte ich die Fliesen unter ihren Füßen weggezogen und sie sich sämtliche Rippen gebrochen. Ich gehe lieber und lege mich schon einmal vor die Tür.

Eine gefühlte Stunde später stehen wir endlich auf der Straße. Vor Freude begrüße ich alles lautstark, was an uns vorbei läuft oder fährt. Leider bleibt die Freude unerwidert. Mir egal. Ich laufe los und gebe Gas, den nächsten Laternenpfahl und den dazugehörigen Zeitungsbeitrag schon im Blick. Nur ist die Chefin heute nicht so schnell, was ich an einem plötzlichen Ruck der Leine bemerke. Die zehn Meter hinter mich blickend, sehe ich das Kissen auf zwei Beinen, was mal mein Frauchen war, vorwärts taumeln. Gut, denke ich, dann übernehme ich jetzt die Führung, nach dem Chef bin ich der zweite Mann im Haus. Fataler Irrtum! Denn statt zehn Meter voraus um die Lage zu checken, laufe ich nun direkt neben ihrem nun bekleideten rechten Bein, nur die Zehen lugen bunt bemalt aus den stetig klatschenden Flipflops heraus. Das Geräusch macht mich ganz nervös. Das geht so weiter, bis wir endlich im Park ankommen und ich den Karabinerhaken von meinem Halsband erlösend klicken höre.

Jippie! Der nächste Busch ist meine. Dort lauern schon die ersten Grüße meiner Kumpels. Wie ich riechen kann, sind die nicht alle so freundlich wie mein Gemüt. Die Chefin trottet weiter vor sich hin. Ich gebe wieder Gas. Sie ruft: „Hund!“ Ich höre sie nicht. Sie ruft wieder: „Hund!“, ich renne weiter. Ein weiterer unglücklicher Versuch eines Anlockens ihrerseits erfolgt, doch ich erschnüffele gerade eine liebestolle Hündin. Vielleicht Paris, die französische Bulldogge? Ich stecke meine Zunge tief in das Gras, als ich hinter mir klatschende Geräusche vernehme. Die Chefin rennt. In Flipflops. Ui!

Eine letzte Kostprobe aus dem Gras nehmend, dann setze ich mich hin und mein unschuldiges Gesicht auf. Meine Chefin stolpert und ich betrachte wie in Zeitlupe ihren schrägen Fall. Der Luftwiderstand lässt die Falten aus ihrem Gesicht verschwinden, während sie im Flug versucht, die Hände von sich zu strecken. Die Augen nun weit aufgerissen nähert sie sich dem steinigen Kiesweg. Platsch. Auf Knien und Händen abgestützt, guckt sie mich aus selber Höhe strafend an. Ich wedele mit dem Schwanz. Einen Versuch ist es wert.

„Scheiße!“, ruft sie und fängt an zu lachen. Ein wenig mitleidig lecke ich ihre Hand und gucke blöd. Da lacht sie noch mehr. Juchu! Endlich ist die Chefin auch im Wochenende angekommen.

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