Ein Wehklagen im Hundemagen

Leute, ist das heiß! Der Asphalt glüht unter meinen zarten Lederslippern, wobei die gerade aussehen wie Mokassins, da irgendein Idiot die Straße frisch geteert hat, über die meine Chefin und ich in den Park laufen. Gestern noch lag da Rollsplitt, der sich fies zwischen meine kleinen Zehen gekrümelt hat und irgendwann in den frühen Morgenstunden hat jemand versucht, die Steinchen zusammenzukleben. Doof nur, dass wir gerade Hitzerekorde schieben und sich alles schön zu einer klebrigen Masse verflüssigt, die aussieht, als wäre die Straße mit Wasser gesprengt worden. Vom Hausmeister nebenan zum Beispiel. War wohl auch der Gedanke meines Frauchens. Jetzt klebt ihr weißer Flipflop auf der Straße und ich sehe aus wie Pech-Mario (naaaa, Witz verstanden?). Und dabei waren die letzten Tage schon ziemlich beschissen. Im wahrsten Sinn des Wortes. Bitte entschuldigt meine ungehobelte Ausdrucksweise. Aber wenn es im Magen ziept und dann hinten drückt, ist jedes schöne Wort fehl am Platz. Keine Ahnung weshalb meine Verdauung so verrückt gespielt hat. Aber mit dem Problem stehe ich wohl nicht allein da.

Vor drei Tagen im Park, es war noch gar nicht so heiß, lief mir ein ziemlich blasser Schorsch über den Weg. Schorsch ist ein sympathischer Königspudel in noir/grey. Seine Zunge hing bis zum Boden, sein Atem roch noch muffiger als sonst und auch so machte er einen ziemlich mitgenommenen Eindruck. Ich versuchte hintenherum herauszubekommen, was mit ihm los war, heißt, ich testete die Duftnote kurz unter seiner Rute. Uhhh. Durchfall. Dabei muss ich eine kleine bösartige Bakterie direkt eingeatmet haben. Doch noch war nichts zu merken und ich tollte weiter über die Wiese. Die war gerade besonders saftig, hatte es doch am Tag zuvor geregnet. Deshalb versuchte ich das eine oder andere Stück Grashalm, wobei die langen am köstlichsten waren. Und wisst ihr, was mit Gras im Hundemagen passiert? Nichts. Es wird nicht verdaut und kommt geradewegs so heraus, wie es hinunter gekaut wurde. An dieser Stelle möchte ich meiner Chefin einen großen Dank aussprechen. Sie hat sich für ein besonders schmackhaftes Leckerli nominiert. Wie ich das meine? Nun, stell Dir vor, ein Bindfaden wandert von Deiner Mundhöhle in den Rachen und dann in den Magen. Dieser bleibt von allen Magensäften verschont. Irgendwann später willst Du ein großes Geschäft erledigen und findest – an dieser Stelle hübsch umschrieben – Perlen an einer Kette in der Klosettschüssel vor. Ein Teil davon ist noch in dir…

Als Hund hast du jetzt zwei Möglichkeiten. Erstens, du fährst Schlitten über den Rasen, das heißt du schiebst dein Hinterteil über einen möglichst weichen Boden, oder zweitens, du hast jemanden, der dir hilft. Das ist sehr unangenehm und ich schäme mich jedes Mal, doch meine Chefin ist ganz tapfer, rupft ein Blatt von einem Baum, lächelt und greift beherzt zu. Meistens renne ich danach ganz schnell weg, um der Peinlichkeit ein Stück zu entfliehen. Doch ich bin ihr sehr dankbar und küsse sie am Abend direkt ins Ohr. Das kann sie nicht leiden. Aber ein kleiner Schabernack muss sein.

Über Nacht hatte sich Schorsch’s Bakterie bei mir bequem gemacht und ihre vornehmliche Aufgabe erfüllt. Mir ging es hundsmiserabel. Mein Bauch grummelte und machte sogar dem Geschnarche meines Chefs Konkurrenz.

Und noch bevor ich einen von meinen beiden Menschen wecken konnte, merkte ich, dass dieser Versuch zeitlich sinnlos war. Alles was ich retten konnte, war der Holzboden vor den Auswirkungen der Bakterie. Ich rannte in die weißgeflieste Küche und… Erfreute mein Herrchen am Morgen danach.

Nach zwei Tagen Hühnchen mit Reis und meiner Überlegung, ob ich weiterhin eine Krankheit simulieren soll, geht es mir bedeutend besser. Leider endet damit auch meine Schonkost, was ich auf der einen Seite sehr bedauere, da Hühnchen meine Leibspeise ist, auf der anderen Seite aber wiederum begrüße, denn jetzt gibt es wieder tolle Leckereien, wie Kaninchenohren. Nur komme ich nicht umhin mich zu fragen, warum ich nicht beides haben kann.

Ich gucke meine Chefin aus treuen Hundeaugen an. Sie streichelt meinen Kopf und guckt zurück. Dann tippelt sie wieder auf ihrer silbernen Maschine. Das Geräusch ist sehr monoton. Meine Augen werden vom vielen Gucken ganz schwer… Ich sehe Hühnchen. Viele, nackte Hühnchen, die mich rufen…

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