Ferien in Serie(n). Tag zwei.

Meine kleinen Lederslipper glühen. Seit Stunden schon latschen wir die Strandpromenade auf und ab, gehen in irgendwelche Geschäfte, in denen nur Klamotten hängen und ich muss mich in enge Kabinen setzen, während meine Menschen neue Sachen anprobieren. Ich kann mir schöneres vorstellen. Einen Supermarkt zum Beispiel. Da riecht es viel besser. Aber dort darf ich nicht rein. Die wissen schon warum. Meine Zunge ist flinker als meine Chefin gucken kann. Jetzt gucke ich gerade zu, wie sie ein kleines Stück Stoff über ihren Kopf zieht, der nur an Bändern hängt. Ein Bikini, erklärt sie mir und verrenkt sich die Arme quer über den Rücken. In der Nachbarkabine sehe ich zwei nackte Füße. Ich schnüffele. Riecht irgendwie nach altem Käse. So sehen die Zehen auch aus. Ein bisschen schrumpelig und unterhalb der beachtlich langen Krallen wachsen schwarze Haarbüschel aus der Haut. Ob das noch ein Mensch ist?

Ich muss gucken und schiebe meine Schnauze vorsichtig Zentimeter für Zentimeter unter der Wand der Nachbarkabine hindurch. Ganz langsam, so als ob ich mich einfach langlegen wolle. Meine Chefin ist damit beschäftig, sich von allen Seiten im Spiegel zu betrachten. Zupft hier, zupft da und kneift sich in die Hüften. Das ist meine Chance. Achtsam krieche ich vorwärts, mustere die Fellfüße, die Waden, Oberschenkel und… HUCH! Ich blicke geradewegs auf eine gräulich verfärbte, riesige Unterhose, welche einen ebenso riesigen Bauch umschließt, über dem ein glatzköpfiges Haupt mit dick gerahmter Brille schwebt. Das was oben fehlt, ist unten umso stärker ausgeprägt. Vor allem hinter herum, das kann ich genau sehen, als der Herr mir seine Rückseite zudreht und ein buntes Hemd vom Bügel hangelt. Überall schwarzes, langes Fell. Der Käsegeruch verstärkt sich, je mehr ich mich in die andere Kabine bewege. Und irgendwie gesellt sich ein weiteres, säuerliches Odeur hinzu. Der Geruch kitzelt in meiner Nase. Die Staubflusen auf dem Boden auch. Und dann passiert es. Ich niese dem Hobbit direkt auf seine Füße und knalle vor Schreck mit dem Kopf an die Kante der unteren Kabinenwand.

„Huch!“, schreit es über und neben mir. Die Hobbitfüße springen auf und der behaarte Körper knallt gegen die Kabinentür. Von der Wucht getroffen, löst sich diese aus der Verankerung und kracht samt Mensch zu Boden. Der zweite Schrei entblößt sich meiner Chefin, die mich eilig zu sich in die Kabine zurück zieht und anschließend einen Finger auf ihre Lippen legt.

Ahh, sie will sich tot stellen. Ich verstehe. Ich bin ruhig. Doch nicht lange, denn mit einem Ruck öffnet sich unsere Kabinentür und draußen steht nur in üppigen Unterhosen und bunten Hemd bekleidet ein zorniger Hobbit und schreit in unsere drei Wände. Ich drücke mich an die unbekleideten Beine meiner Chefin und grolle mit hochgezogenen Lefzen dem Haarmonster entgegen. Sie dagegen greift erst zu ihrem Kleid um ihre Blöße zu verdecken und dann zur Tür, um diese wieder zuzuziehen. Doch sie hat die Rechnung nicht mit dem Dicken gemacht. Der rüttelt nämlich seinerseits am gegenüberliegenden Ende des Knaufes. Und so ziehen beide Kräftemessend an der instabilen Tür. Ich muss wohl lauter werden.

„Rrrrr wuff! Rrrrrr wuff!“

Gottseidank wird von dem lauten Spektakel auch mein Chef angelockt. Und nicht nur er, auch andere Gäste beobachten das Tun der Beiden. Eine hektische junge Frau zieht zudem am Arm des alten Hobbit, als mein Chef eingreift und mit einer einzigen, aber nachdrücklichen Bewegung die Finger des Kontrahenten vom Türknauf löst. Ich drücke mich weiter in die Ecke, ahnend welches Donnerwetter gleich über mich herein bricht.

Wir verlassen den Laden fluchtartig. Wir sind draußen. Endlich. Die Sonne brennt noch immer vom Himmel, aber die Luft ist hier wesentlich besser. Meine Chefin stopft aufgebracht ihren BH in die Tasche, welchen sie in der Eile nicht mehr anziehen konnte und hält noch den Bikini aus dem Laden in der Hand, während wir schnellen Schrittes die Strandpromenade Richtung Auto verlassen. Mein Chef hält mich an der kurzen Leine. Als wir um die nächste Ecke gehen, muss ich erst einmal an einen Rosenbusch pinkeln, um meiner Aufregung Herr zu werden. Dann fangen Chef und Chefin an zu lachen. So laut und heftig, dass sie sich neben mich auf die Bordsteinkante setzen müssen. Sie hält den Bikini in die Höhe, fuchtelt wild damit herum und zeigt auf den Papierschnipsel am Stoff. Dabei redet sie atemlos etwas von hundertfünfzig Euro. Und lacht wieder. Und streichelt mir über den Kopf. Und lacht wieder. Scheinbar hatte ich mit meiner Neugier nicht nur Schrecken verbreitet, sondern auch meiner Chefin zu einem neuen Bikini verholfen, den sie sich nie gekauft hätte. Soviel verstehe ich. Ist wohl noch einmal gut gegangen. Sie hält mir ein Leckerli vor die Nase. Ich hoffe, wir können nun endlich nach Hause, zurück in unseren Bungalow oder an das Meer.

Mein Flehen wird erhört und wenig später tummeln wir uns im warmen Sand. Unsere Freunde sind auch dabei und natürlich Karla. Ihr berichte ich von unserem Abenteuer, während meine Chefin ihren neuen Bikini vorführt. Karla lacht auch. Dann schnappt sie sich meinen Lieblingsball und rennt Haken schlagend über den Strand. Ich hinterher. Bei ihrem letzten Sprung übersieht sie eine kleine Menschengruppe rechts neben sich und springt in deren Mitte. Ich kann nicht mehr bremsen und rase direkt in das Knäuel aus menschlichen Armen, Beinen, Karla und dem großen Badetuch. Lautes Gequietsche und Geschrei animiert nun auch unsere Chefs loszurennen. Doch wir sind schneller und stürmen schon wieder weiter.

„HUND!“, höre ich von weitem meinen Chef brüllen. Ui, das hört sich nicht mehr freundlich an. Karla vor mir bremst und dreht sich um. Ich zwinkere ihr zu und tue es meiner Chefin gleich, die mir vor ein paar Stunden gezeigt hat, dass man sich manchmal tot oder eben auch schwerhörig stellen muss.

„HUND!“, brüllt nun auch der Chef von Karla. Was tun? Wir bleiben einfach stehen und schnüffeln im Sand. Als wäre nichts und alles womit wir uns die Zeit vertreiben, ist die Ostsee-Zeitung zu lesen. Ich kommentiere noch schnell einen Artikel, als unsere Menschen auch schon neben uns stehen und die Karabinerhaken in unsere Halsbänder klicken. Okay, wir ergeben uns und trotten mit gesenktem Haupt neben unseren Chefs her, welche leise Flüche an uns senden. Keiner lacht.

Ich setze mich neben die Freundin meiner Chefin. Die mit dem hübschen Kugelbauch, der so lieblich duftet. Ich drücke mich ganz fest an sie heran und zittere ein bisschen. Da streichelt sie mir sanft über den Kopf und krault meinen Nacken. Ich lecke ihr dankbar über die Finger und schnuppere ein wenig an ihrem Bauchknöpfchen. Irgendwas bewegt sich darunter. Ich beobachte die kleinen Beulen, welche fast unmerkbar unter der Bauchdecke sichtbar werden. Mit der anderen Hand streichelt sie sanft darüber und ein kleines Lächeln stiehlt sich in ihr Gesicht. Was das wohl ist, denke ich. Doch meine Aufmerksamkeit wird abgelenkt, als eine schwanzwedelnde Schöne, mit blondem, langem Fell hüftwackelnd und mit hoch erhobenem Kopf an uns vorbei läuft. Karla grollt leise.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s