Meine Ferien in Serie(n). Tag eins.

Wir sind im Urlaub. Meine Menschen und ich. Yeah! Ich weiß es genau, denn vor uns liegt unendliches Wasser, es glitzert und funkelt und die Sonne geht langsam am Horizont unter. Meine Chefin ist ganz entspannt und gräbt ihr nackten Füße in den weichen Sand. Ich tue es ihr gleich und stecke meine Nase gleich mit dazu, was leider zu einem feuchten Niesanfall führt. Kleine Sandbröckchen treffen ihre unbekleideten Waden und sie springt auf und lacht.

„Komm!“, ruft sie und rennt zum Wasser hinunter, in dem mein Chef schon seine müden Füße kühlt. Ich renne hinterher. Autsch! Etwas Scharfes hat sich zwischen meine kleinen Ledersohlen geschoben. Nochmal Autsch! Das Auftreten fällt mir schwer. „Hey, hey, Chefin. Guck doch mal!“, versuche ich sie mit leisem Fiepen aufmerksam zu machen und hinke die letzten Meter.

Noch immer lächelnd, aber mit besorgtem Blick schaut sie sich meine Pfote an. Wir verstehen uns. Manchmal denke ich, dass sie hündisch kann. Sie reibt über die empfindliche Stelle und zieht ein Stückchen von einer Muschel hervor, wie sie an den Chef gewandt feststellt. Dann hält sie mich noch kurz, streichelt mir über den Kopf und platziert ein kleines Küsschen auf meiner Stirn. Ich setze meine Pfote vorsichtig auf, der Sand kitzelt, aber der Schmerz ist fort.

„Es kann weiter gehen!“, verkünde ich lautstark und renne auf das Wasser zu. Ich muss es einfach anbellen. Dieses Glitzern und die tollen Wellen. Ich muss das Meer begrüßen, auch wenn es den Leuten um uns herum nicht gefällt, wie groß meine Freude ist. Doch das ist mir egal. Ich bin ein Hund. Es interessiert mich nicht die Bohne, was andere von mir halten. Ich belle einfach weiter und springe um meine Menschen herum.

„Ball! Ball!“, fordere ich sie auf. Und schon holt der Chef meine orange Gummikugel aus der Hosentasche und wirft sie in das Wasser.

„Juchu!“ Ich laufe hinterher…. Ahhhh. Hmmm. Ui. Das ist ja saukalt. Der Ball wabert in drei Metern Entfernung vor meiner Nase hin- und her. Ich bleibe stehen. Das Wasser reicht mir bis zu den Schenkeln. Wenn ich jetzt weiter gehe, verkühle ich mir sicher meine Corones. Ich blicke zurück und sehe meine Menschen nebeneinander stehen und mir Mut zurufen. Okay, ich bin ein ganzer Kerl. Noch. Ich gehe weiter. Die Kälte ziept unerbittlich an meiner Männlichkeit, der Ball ist nur noch zwei Meter entfernt. Ich kann es. Ich springe ganz schnell auf ihn zu, schnappe mir den orangefarbenen Gummi und drehe ruckzuck wieder um. Geschafft, meine Ledersohlen spüren wieder den Sand zwischen den Zehen. Brrrr. Ich muss mich schütteln und damit meine Leute auch etwas davon haben, schleudere ich direkt neben ihnen all das kühle Nass aus meinem Fell. Die Chefin springt wieder. Und während ich mir die letzten Tropfen vom Hintern lecke, taucht sie einen Zeh in das Meer. Haha.

„Ganz schön kalt.“, höre ich sie sagen.

Ich schnappe mir wieder meinen Ball und springe mich warm.

„Komm, komm!“, rufe ich beiden zu und renne ein Stück am Strand entlang. Halt! Was war das? Ich wittere einen starken Duft nach Macho. Genau hier. An dieser Sandburg. Na warte. Ich pinkele einfach darüber und zeige den Jungs im Ort, wer hier der Boss ist. Dann renne ich weiter. Meine Menschen hinterher. Ich lasse meinen Ball fallen und warte.

„Wirf! Wirf!“, belle ich laut und mein Chef wirft. Wieder ins Wasser. Ich renne hin, fühle das kühle Nass meine Pfoten umfließen und halte inne.

Nein. Nicht noch einmal. Ihr könnt mich nicht austricksen.

„Hol ihn! Hol ihn!“, rufe ich meinem Chef zu. Soll er sich doch seine Corones verkühlen, ich habe genug.

„Los Hund! Los!“, ruft er mir aufmunternd zu.

„Hol ihn! Hol!“, erwidere ich schon etwas lauter.

Das Spiel spielen wir noch drei Mal, dann watet er mit langen, hölzernen Beinen in das Meer. Ich habe gewonnen. Es ist kalt. Ich kann es genau sehen. Ich muss lachen.

Leider packt mein Chef nun den Ball in seine Hosentasche, weil er denkt, ich habe genug. Er versteht weniger hündisch, aber ich liebe ihn trotzdem.

Dann laufen wir weiter. Immer am Strand entlang. Es gibt unglaublich viel zu lesen. Die Ostsee-Zeitung ist sehr interessant. Der französische Pudel hat eine Liaison mit der Kleinen vom Nachbargrundstück, obwohl diese auch gern an mir schnuppert. Und irgendein heißblütiger Italiener namens Romeo hat versucht die gestandene Boxerdame aus dem Bungalow Nummer zehn zu verführen. Und dort, am Bohlen des Holzsteges warnt Klaus, der Bullterrier vor dem altem Mann mit Leckerlis in der Tasche. Die verursachen dolles Bauchgrummeln. Hin und wieder kommentiere ich einen Beitrag oder schreibe ein paar Neuigkeiten in den Sand. Zum Beispiel wo ich aufzufinden bin, wenn jemand mit mir spielen möchte. Hunde-Facebook eben. Denn manchmal ist es ganz schön langweilig, meinen Menschen bei Essen und Schwatzen zuzuschauen. Wobei ersteres abhängig von der Art der Speise ist. Fisch zum Beispiel finde ich grandios. Allein schon der Geruch. Hmmmm. Ich bekomme Hunger.

Es ist schon spät und der Weg vor uns dunkel, nur wenige Straßenlaternen leuchten eine schmale Lichtspur zwischen den Bäumen auf den Asphalt. Wir laufen zurück zu unserem Bungalow. Von weitem schon höre ich das fröhliche Geplapper der anderen. Freunde meiner Menschen. Und zwischendurch das hungrige Bellen von Karla, meiner Sommerliebe. Eine stolze Ridgeback-Hündin, die sich mit ihren Chefs und uns das Quartier teilt. Es riecht nach gegrilltem Fleisch. Ich wünschte, der Urlaub würde ewig währen.

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