Sprachkunde bei der Gassirunde

„Hund! Komm her! …. Ey, Hund, komm her! …. Zu mir!“, die befehlende Stimme meiner Chefin hallt in meinen empfindlichen Gehörgängen nach, während ich meine Nase noch tiefer in das Gras tauche. Ich spiele: Ich sehe sie nicht und sie sieht mich nicht.

„HUND!“ Wahrscheinlich funktioniert das Spiel doch nicht, sie kommt hektischen Schrittes auf mich zu und klappert dabei mit der Leine. Schon klar. Ich weiß. Da vorn läuft ein großer Hund mit hellem Fell und hätte meine Chefin die Brille auf der Nase, würde sie erkennen, dass keine Gefahr droht. Es ist nur Mimi, das habe ich schon lange erschnüffelt. Kein böser Hovawart (die Geschichte erzähle ich Euch ein anderes Mal), der mir an die Kehle will, einfach nur Mimi, eine sandfarbene, nervige Labrador-Tussi, die vor lauter Schwanzwedeln fast in die Luft abhebt, wenn ihre Hüften nicht so wohl genährt wären. Wobei ich ihre Hüften schön finde, aber sie geht mir einfach auf den Keks. Ist mir zu aufgeregt, zu anbietend, zu laut. Einfach zu viel von allem.

„HUND! Bleib!“ Okay, ich tue meiner Chefin den Gefallen. Gleich wird sie sehen, dass die Hetze umsonst war. Aber das ist ihr Problem. Ich warte. Ich höre das Klicken des Karabiners in mein Halsband und schaue mein Frauchen aus treuen Augen an. Das habe ich perfektioniert, diesen Hundeblick. Von unten nach oben schauen, dabei die Ohren hängen lassen und ein bisschen Zwinkern. Ha! Hat wieder funktioniert und ein Leckerli wandert von Hand zu Hundeschnauze. Bevor die nächste Hundeschnauze sich feucht an den Köstlichkeitenbeutel drängt. Mimi hat uns erreicht. Kurz reibt sie sich an meinem Menschen, dann versucht sie es bei mir.

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Darm mit Charme

Es ist Sommer. Wir stehen in einem kleinen Buchladen, die Luft ist stickig und es gibt keine Klimaanlage. Durch die geöffnete Tür wabert nur noch mehr heiße Stadtluft in den kleinen Raum. Ich schaue an den haarigen Beinen vor mir hinauf. Langsam. Ganz langsam. Beginnend bei den beigen Socken mit braunem Rautenmuster in kessen dunkelbraunen Trekkingsandalen, über hellbeige Waden mit wilder Andeutung eines Fell., über recht dürre Schenkel, welche ganz oben in waldbodenbraunes Cord gewandet sind. Weiter komme ich nicht. Die Trekkingsandalen strengen sich an, den Laden zu verlassen. Ich höre meine Chefin nach einem Buch fragen. „Darm mit Charme“. Kann sie haben, denke ich und zwinkere mir selbst zu. Doch charmant sind die Worte nicht, welche innerhalb weniger Sekunden auf meine Darmtätigkeit reagieren.

„Das war der Hund!“, höre ich verstört meinen Menschen sich rechtfertigen. Hinter mir kichert ein kleines Kind. Ich drehe mich verschwörerisch zu ihm um. Wir klatschen uns in Gedanken ab. Ghetto-Fist. Zschhhhh. Nun wird die Büchertante lauter und bittet uns, ihr Geschäft zu verlassen. Sie lacht nicht. Ich schon und hinterlasse noch einen letzten stinkenden Gruß. Spaßbremse. Andere verkaufen ihre Worte über die Resteverwertung der eingenommenen Speisen für viel gutes Geld. Ich dagegen präsentiere kostenfrei wie eine gute Darmtätigkeit funktioniert. Doch weder Applaus noch blinkende Münze werden mir zuteil, sondern schroffe Worte und ein Platzverweis. Draußen kichert nun auch meine Chefin leise vor sich hin. An der nächsten Ecke erhalte ich doch eine kleine Belohnung. Ein Leckerchen und ein kurzes Kopfkraulen.

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